Wanderung im Simmental, 25./26. Juli 20015

„Skizunft wandert“ las ich in der kleinen Anzeige in der Badischen Zeitung. Im Simmental und mit Übernachtung auf der Höh! Und es waren noch Plätze frei! Friedrich Kuhn sollte man anrufen. Ich dachte nicht lange nach und tippte die angegebene Nummer. „Kuhn“, erscholl eine tiefe sympathische Stimme am Ende der Leitung. „Hier auch“, sagte ich, und das war der erste Lacher, den wir miteinander teilten und dem noch einige folgen sollten.

 

Im knallroten VW-Bus, mit dem ich in Bad Bellingen, wo ich seit zwei Jahren lebe, um 6:50 Uhr am Kurpark sogar abgeholt wurde, war nur noch ein einziger Platz vorn beim Fahrer frei. Trotz der Früh waren alle schon sehr munter und schwatzen erwartungsfreudig. Eine freundliche Begrüßung mit unbekannten Menschen – „Wir duzen uns. Ok, ich bin Eva-Maria.“ – Menschen, die ich gegen Ende dieses Wochenendes sehr viel besser kennengelernt haben sollte. Menschen, die eines teilen: die Freude an der Natur, am Sich-ein-wenig-Schinden und dem darauf folgenden göttlichen Gefühl, wenn man am Ziel angekommen ist und herrliche Gipfellandschaft genießen kann. Das können nur nette Menschen sein!

 

In Lenk angekommen durften wir den Bus auf dem großen zentralen Parkplatz abstellen und begaben uns erst einmal auf die Suche nach dem stillen Örtchen. Die nette Bedienung in der Elk Bar & Restaurant hatte überhaupt nichts gegen unseren Ansturm und wollte auch gar nichts haben. Wie nett diese Dame wirklich war, sollten wir später noch einmal erfahren.

 

Doch jetzt Bergschuhe an, Rucksack auf den Rücken und sofort: Anstieg von 1068 m durch den Guetebrunne über den Vordere Wysseberg. Wir schnauften über die Wiese zum Kamm.  Hast du dich doch ein bisschen übernommen? Aber die anderen schnauften auch und waren ebenfalls froh, als es eine erste Trink- und Vesperpause gab. Nur einer war nicht zu stoppen: Matthias, der unerschütterlich voranschritt und uns damit alle mitriss. Hoch hinaus über den Kamm. Sollten wir es wagen, ihn zu überqueren anstelle um den Berg herum zu gehen? Petrus war uns bis dahin noch gut gesonnen gewesen trotz der unsteten Aussichten, die uns der Wetterbericht gegeben hatte. Und dann war er plötzlich da aus dem Nichts. Der Sturm, der uns auf dem Hang erreichte, die Wand in Windeseile in Wolken hüllte und die mühsam aus den Rucksäcken gezerrten Anoraks aufblies. „Zurück!“ rief Wanderführer Frieder, „Wir gehen außen herum!“ Elke und Werner liehen mir ein Paar Handschuhe, denn wer denkt schon im Juli an Handschuhe?

 

Was war mit der eben noch bewunderten Alpenlandschaft auf dem Weg um den Berg herum nur geschehen? Totale Verwüstung. Matten, Stauden, Sträucher, Bäume zerfetzt, regelrecht abgemäht, wie durch einen riesengroßen Häcksler zerhäckselt. Nach einigen Hundert Metern begriffen wir: hier war ein Hagelgewitter durchgezogen und die Kräfte der Natur hatten gewaltet. Ein großes graues Loch auf dem Weg und ein wenig Stochern mit den Wanderstöcken bestätigte unsere Analyse: unter Dreck lagen erbengroße Hagelkörner. Doch glücklicherweise kam auch die Sonne wieder hervor, und die letzten steinigen Meter zum Hahnenmoospass, die schafften wir auch noch.

 

Schnell waren die Betten bezogen im Lager mit frisch duftender rosaroter Bettwäsche. Eine schnelle Dusche – jo mei, das gibt’s mittlerweile auf der Alm! – und: Bierdurst! Bei einem herrlichen Abendessen an dem eigens für uns reservierten Tisch im Hotel nebenan mit Blick auf diese wundervolle Berglandschaft, da schauten sich glückliche Menschen an, die ein wunderbares Hobby miteinander verbindet, egal woher sie stammen. Und was mich Kind aus dem Ruhrpott noch mehr erstaunte: Da hatten doch wackere Wanderer tatsächlich neben Vesper und Zahnbürste ein gutes Tröpfchen aus dem Markgräflerland durch Hitze, Sturm und Wind den Berg hochgeschleppt! Und sogar Knabberzeug! Beides ließen wir uns als Betthupferl munden und sanken dann sofort in tiefen Schlaf. Na ja. Die meisten. Musikalisch sind die neuen Freunde auch, stellte ich fest. Denn es gab wohl ein - übrigens sehr harmonisch abgestimmtes, sonores - Konzert in der Nacht.

 

Gibt es etwas Schöneres als einen Sonnenaufgang in den Bergen? Frische Morgenluft, die wir durch das geöffnete Fenster in die Lungen aufnehmen. Da geht die Seele auf. Da vergessen wir Beruf und Alltag, unsere eigenen Wehwehchen, sind dem Schöpfer nah. Und hören freundliche Mitwanderer mit Zahnputzwasser gurgeln. Wir räkeln uns und strecken uns und springen aus dem Bett, suchen unsere Socken und sind bereit für neue Herausforderungen. Nach dem wieder so wunderbaren Frühstück - mit echtem Bircher Müsli! – schnallen wir uns wieder unser Gepäck auf den Rücken und laufen über den Metschstand, fotografieren den Wildstrubel und steigen über saftige Almen in das Ammertteli hinab zum: Alpkäsekauf! Die franseligen Baumwolltücher flattern zum Trocknen unter einer Reihe dicker Kuhglocken, die unter dem Vordach der dunklen Sennhütte aufgehängt sind. Und wer luegt da zum Fenster raus? Ein Senn, wie man ihn sich nur im Traume vorstellt! Im blauen Kittel, die dürren Beine in Gummistiefel gesteckt und mit verschmitztem Lächeln hinter dem gestutzten Schnauzbart und aus freundlichen Augen unter dem Käppi führt er uns um die Ecke in die Käseküche und schneidet vom gelben Laib eine dicke Scheibe ab. Herzlich winkt er uns hinterher, als wir über Kuhfladen die Rexlibergwaid hinabsteigen zu den sibe Brünne.

 

Wir treffen nun deutlich mehr Menschen an, die unser Hobby teilen. Auf der Raststätte halten wir uns nicht lange auf. Nur die Männer können es nicht lassen, das Fahrradkonstrukt zu besteigen, das der Wirt zum Antrieb der Säge mit derselben verbunden hat. Ein Schild schreibt die erwünschte Länge der Holzstücke vor, die man erbittet zu erradeln und dabei zu ersägen, um im Winter die Hütte einheizen zu können. Eine tolle Idee.

 

Die sibe Brünnle sind womöglich gar mehr. Trotz der vielen Menschen vermitteln das seit Jahrtausenden  hinabstürzende Wasser und die Rinnsale, die aus vielzähligen Öffnungen im Fels heraustreten, eine herrliche Ruhe. Wir gehen zufrieden und glücklich die Simme entlang zum Simmenfall, verzehren unsere letzten Brote, Würschtel und gekochten Eier beim Zälg und laufen dann bei sich mehr und mehr zuziehendem Himmel auf den Parkplatz in Lenk. Ein letztes Foto vor unserem roten Bus, und dann nach Hause. Pustekuchen! Das Auto lässt sich nicht öffnen. Was ist das denn? Da kommt die nette Chefin der Elk Bar wieder angelaufen. Sie habe doch keine Telefonnummer von uns gehabt! Wir hatten das Licht angelassen. Da ist die Batterie in die Knie gegangen. Schnell hat sie ihr kleines Auto mit dem Starterkabel bereit und macht uns wieder flott. Wir bedanken uns, indem wir auf der Terrasse bei herrlichem Obstkuchen, Kaffee und Desserts dieses wundervolle Wochenende ausklingen lassen. Wir freuen uns und sind dankbar für die inspirierende Landschaft, die menschlichen Begegnungen, die unvergleichliche Gemeinschaftserfahrung und darüber, dass Frieder uns so sicher durch den dichten Autobahnverkehr nach Hause ins Markgräflerland steuert.  

 

Beim nächsten Mal bin ich wir wieder dabei. Kommst Du mit?

 

Eva-Maria Kuhn

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